Herzlich Willkommen!

Los geht´s! Der Startschuss für meinen ersten eigenen Blog ist gefallen. In der nächsten Zeit werde ich in unregelmäßigen Abständen immer mal wieder Geschichten, Gedanken und Themen die mein Leben bestimmen hier zu Papier bringen. Es soll kein Themen-Blog werden, sondern einfach Querbeet… So wie es in meinem Leben nun mal ist. Alles andere wäre langweilig 🙂

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Ankündigung…..

Es wird eine neue Rubrik geben in meinem noch recht jungen Blog. Unter dem Titel „Lass das mal den Papa machen!“ werde ich in Zukunft immer mal kleine Geschichten, Gedanken und Ideen zum Thema „Papa-Sein“,“Alltagsprobleme eines Vaters“ und vor allem „Papa von zwei Töchtern“ zum Besten geben. Über Weiterempfehlungen und Ideen wie der Blog wachsen könnte würde ich mich freuen!

Burn Out – Wie eine Diagnose das Leben verändert

Heute möchte ich mal beginnen etwas über mein Erleben mit der Diagnose „Burnout“ zu schreiben. Schreiben…etwas was ich sehr lieb gewonnen habe in den letzten 3 Monaten. Etwas, was mir hilft viele Erlebnisse und Gedanken einfach aus meinem Kopf zu haben. Es mir leichter zu machen, da ich seit 3 Monaten ein großes Problem habe: Mich und mein Kopf nämlich. Gedanken die kommen, Fragen die auftauchen aber nicht beantwortet werden können oder nicht beantwortet werden wollen verbleiben in meinem Kopf…etwas neues für mich, da ich komischerweise seit der Diagnose anfange Dinge nicht einfach stehen lassen zu können, sondern sie müssen für mich erklärbar oder beantwortet werden. Etwas, was mir mein Leben nicht gerade einfach macht… aber fangen wir mal von vorne an:

Ende Januar bekam ich – nach einem aus meiner Sicht kleinen Zusammenbruch – und dem Bitten meiner Frau einen Arzt aufzusuchen die Diagnose „Burnout“. Eine Diagnose, die mich erstmal völlig und komplett überforderte. ICH? Burnout? ICH!? Mein Selbstbild eines Leistungsträgers, eines Arbeitstieres war völlig in Frage gestellt. Alles worüber ich mich definierte war erstmal dahin. Schwach… Chronisch erschöpft… Attribute die im Zusammenhang mit meiner Person in meiner Welt für mich erstmal nicht existierten oder gar existieren sollten. Aber auf einmal war eben genau das präsent. Schwäche. Aber ich darf doch nicht schwach sein, ich muss funktionieren, für meine Familie da sein, für meine Kollegen, meine betreuten Familien… „Jetzt erstmal müssen Sie für sich da sein“…war die Antwort des Arztes. Und er wollte mich auch gleich erstmal für 4 Wochen krankschreiben. „Erstmal nur 8 Tage“ war meine Bitte. Es wurden dann 14 Tage am Stück, das Minimum auf das sich mein Arzt einlassen konnte. Zur Ruhe sollte ich kommen…gar nichts tun, sonst drohe mir ein Klinikaufenthalt. So schlimm empfand ich es gar nicht…ich fühlte mich müde und auch etwas wie „in Watte“. Nichts was man aus meiner Sicht nicht mit einer ordentlichen Mütze Schlaf wieder in den Griff bekommen würde. Einmal durchschlafen und einen Tag Ruhe, gut ist. So wie bei einer Erkältung eben. Aber Burnout ist eben keine Erkältung wie ich feststellen musste….

Noch immer komme ich immer wieder an meine Grenzen. Grenzen welche vorher weiter gesteckt waren. Pause? Ich? Niemals. Aber auch hier: Weit gefehlt.

Zu Beginn war ich erstmal gnadenlos überfordert. Mal wieder. Mein Chef hatte wohlweislich mein Diensthandy konfisziert, damit ich auch ja meine Füße still halte und nicht im Hintergrund doch irgendwie arbeite, Mails checke, schauen was ich eben von zuhause aus regeln kann. Und da wurde mir am ersten Tag bewusst, was überhaupt mit mir los ist. Ich hörte nämlich immer mein Diensthandy, spürte das vibrieren und lief mehrmals in der Stunde an die Stelle, wo üblicherweise mein Diensthandy lag nur um zu schauen ob ich eine neue Nachricht, WhatsApp oder Mail bekommen hätte. Das Blöde war nur…es war ja gar nicht da. Aber in meinem Kopf war es das noch…ich „hörte“ es tatsächlich noch und „spürte“ auch das vibrieren. Und da wurde mir bewusst wie hart erarbeitet mein Zustand eigentlich war. Nur was sollte ich tun?

Ruhe… ein Ratschlag den ich vom Doc bekommen hatte….auf einmal spürte ich ein euphorisches Glücksgefühl. Endlich hatte ich erstmal 2 Wochen Zeit alle Serien, Filme und Games zu schauen bzw. Zu spielen, wofür ich schon sehr lange keine Zeit mehr hatte…. also ab aufs Sofa und das TV an.

Nachdem ich zum dritten Mal in einer Episode „BigBangTheory“ zurückspulen musste weil ich den Faden verloren hatte, versuchte ich mich an einem Spiel. Xbox an, Spiel geladen und dann feststellen, dass ich nichts, aber auch wirklich gar nichts aufnehmen konnte, was auf dem Bildschirm vor mir geschah. Weder die Story, noch Aufträge, noch was ich überhaupt tun sollte…also Xbox wieder aus und erstmal tief durchatmen.

Ich fühlte mit einem Mal leer…ausgebrannt.

Und dann ging es rapide bergab. Eine Talfahrt die ich so nicht kannte und mich dafür schämte. Ich? Leer? Ausgebrannt? Ohne Energie? Und auf einmal fühlte ich zum ersten Mal den „Burn Out“ und das Gefühl das es nicht einfach mit einer Nacht durchschlafen und etwas ausruhen getan wäre.

Aber wie geht man damit um? Offensiv? Defensiv? Ich hätte mich am liebsten verkrochen und erstmal alles vergessen wollen. Was sage ich meinen Kollegen? Meinem Arbeitgeber? Meiner Familie?

Ein weiteres Gefühl was ich nicht kannte: Planlosigkeit und das erste Mal das Gefühl zu erleben nicht zu wissen was Richtig oder Falsch ist.

Aus heutiger Sicht betrachtet und mit dem Wissen das ich heute, 6 Monate Später habe, weiß ich, dass ich mich für das Falsche entschieden habe. Nämlich es erst einmal für mich klar haben zu wollen und so wenig wie möglich an Information rauszugeben. Keine Schwäche eingestehen wollen und es so klein wie möglich zu halten. Wenn ich es in 14 Tagen überstanden hätte – so zumindest der Gedanke mit dem ich damals spielte- dann könnte ich den Kollegen ja einfach erzählen, ich hätte ne starke Grippe gehabt und es sei gut jetzt. Also erstmal nur Chef, meine Familie und 2 Freunde einweihen, damit man nicht ganz alleine da steht. Und genau mit dieser Idee fing ein noch größeres Chaos an, als ich eigentlich wollte und es endete in etwas, was ich mir nie hätte träumen lassen….obwohl ich es im Grunde schon immer wusste. Aber dazu später mehr.

Hilflosigkeit und Aggression, zwei Wegbegleiter in den Monaten Februar und März 2017. Etwas, was meine Familie und meinen Freundeskreis sehr belastete. Ein was Gutes hatte es jedoch: Ich weiß heute, wer meine Freunde sind und wer einfach nur einen funktionierenden Holger wollte. Eine Erfahrung, die mich verletzte aber auch nachdenklich machte. Ich befand mich ja aus meiner Sicht in den letzten beiden Jahren auf einem Dauerhoch… Guter Job, Selbständigkeit läuft, Familie läuft, Positive Rückmeldungen im Job seitens der Ämter und zu betreuenden Familien, viel gefragter „Mann“ bei den Maltesern, Feuerwehr und bei Freunden… Was wollte ich eigentlich mehr? Klar, dass man seinen Frust zuhause rauslässt, war für mich völlig normal. Ich war ja der große Held. Aber das alles auf Kosten meiner Familie. Verletzende Worte, Aggression und Missachtung waren von meiner Seite her an der Tagesordnung. Nicht gegen meine Tochter…aber gegen meine Frau, die alles geduldig ertrug und mich versuchte immer wieder zur Ruhe zu ermahnen. Etwas, was mich fuchsteufelswild machte. ICH? Ruhe? ICH? …Genau. Ich, Ich, und Ich.. dann kam lange nix und dann erst der ganze Rest. Ich selbst merkte gar nicht wie sehr ich mich veränderte, versuchte nach außen hin „besonnen und ausgeglichen“ zu wirken, war aber ständig unter Strom und innerlich gehetzt. Als „Ausgleich“ fing ich an zu laufen. Aber auch hier ging es nicht um Entspannung, sondern dem Nachhetzen immer besserer Zeiten und besserem Pace. Missachtend jeglicher Erfahrung und auch Gesundheit. Pulswerte bei 200, das waren meine Hochs…mich spüren, am Rande des Zusammenbruchs…endlich spürte ich etwas. Und wenn es nur das Pochen des Herzens, das Rauschen des Blutes in den Ohren und dem Kotzreiz war. Aber ich spürte etwas. Mich. Und dem Beweis, dass ich mehr ertragen und leisten konnte als andere… Mich spüren und mich selbst beherrschen. Egal wer was sagte..ich wusste alles besser. Im Privaten wie auch auf der Arbeit. Sicherlich weiß ich heute, dass ich meine Arbeit gut mache, meine eigene Struktur habe und das alles für mich und meinem „Workflow“ durchaus sinnvoll erscheint. Aber auch andere haben Strukturen und die sind manchmal effektiver, besser und vor allem sind es deren Strukturen. Und das funktioniert eben gut bei den Anderen. Nur gab es „Andere“ für mich nicht in dieser Zeit davor… Meine Idee um Struktur war die einzig Wahre und Richtige. Absoluter Höhenflug eben.

Heute sehe ich die Sache etwas anders. Ich war damals am Rennen…am flüchten vor mir selbst. Und das Ganze in Aktionismus. Dem lechzen nach Mehr, immer weiter, schneller, höher… Erst heute verstehe ich den Spruch „Wer hoch fliegt, fällt tief“. Eine Erfahrung, um die ich aber im Nachhinein froh bin sie erlebt zu haben. Es richtet etwas den Blick und eröffnete mir neue Sichtweisen auf viele Dinge, die früher nebensächlich waren.

…. to be continued.